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6.000 Insolvenzen jährlich wegen fehlendem Nachfolger

Jedes Jahr suchen mehr als 70.000 mittelständische Unternehmen einen Nachfolger. Etwa 6.000 Firmen müssen den Betrieb einstellen, weil die Übergabe scheitert. Das geht aus einer Auswertung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) hervor. Demnach werden insgesamt mehr als 90 Prozent der deutschen Unternehmen vom Inhaber oder einer Familie geführt. Bei mehr als einem Viertel dieser Unternehmen trete die Nachfolgefrage unerwartet auf, weil der Chef plötzlich schwer erkrankt oder stirbt. Die Folge: Jedes Jahr müssten etwa 6.000 Unternehmen mit insgesamt 34.000 Mitarbeitern ihre Tore schließen, weil sich kein Nachfolger findet.  Als größte Hürde für einen reibungslosen Übergang erweise sich aus Sicht der Altunternehmer die verpasste Vorsorge für den Übergangsfall: In der Hälfte der Fälle habe sich der Seniorunternehmer zu spät um die Nachfolgeplanung gekümmert – und müsse dann Kompromisse machen. Von 2007 zu 2008 ist der Beratungsbedarf zum Thema Nachfolge um sieben Prozent gestiegen. Für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist das ein Zeichen für eine erschwerte Nachfolgeregelung in der Wirtschaftskrise. Rund 23.800 Unternehmen hätten in lokalen Anlaufstellen Rat gesucht, heiße es im DIHK-Report, der dem Handelsblatt vorliege. Das größte Problem sei nach wie vor die Finanzierung der Nachfolge, so DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann. 49 Prozent der potenziellen Übernehmer stünden dabei vor Schwierigkeiten. 75 Prozent der IHK-Berater hätten von Verschlechterungen bei Bankkrediten berichtet, 64 Prozent von stärkeren Problemen, Beteiligungskapital für eine Übernahme zu akquirieren. Ein weiteres Problem bei der Nachfolge seien die Gewinn- und Umsatz-Einbrüche der Unternehmen. Diese schmälerten den Unternehmenswert – und ließen dadurch die Preisvorstellungen der Senior-Unternehmer und der Nachfolger weiter auseinanderdriften. Vier von zehn Übertragungen drohten an ökonomischen Hürden zu scheitern: Der vom Inhaber gewünschte Verkaufspreis sei am Markt nicht zu erzielen. Probleme gebe es auch bei den Übernahme-Kandidaten, die die IHKs vermitteln: 56 Prozent der potenziellen Nachfolger hätten Schwierigkeiten, die Mittel für den Kauf des Betriebs aufzubringen. Besonders in der Industrie sei der Preis eine große Hürde, da es sich hier oft um größere Firmen handelt und dort teure Maschinen zu übernehmen sind.

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