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Factoring & Leasing Topf sucht Deckel

Anfang Februar mehrten sich die Anzeichen, dass etwas nicht mehr so ganz stimmte. Das Geld kam erst verspätet, dann gar nicht mehr. Dabei hatte der kleine Hersteller von industriellen Dreh- und Frästeilen seit 2009 auf Factoring gesetzt, um die langen Zahlungsziele seiner Kunden zu überbrücken und sich gegen Zahlungsausfälle zu schützen. Doch der Münchner Factoringanbieter Vantargis geriet selbst in Zahlungsschwierigkeiten. Für den nordrhein-westfälischen Industriebetrieb hätte dies eine heikle Situation heraufbeschwören können. Doch glücklicherweise liefen die Geschäfte gut genug, um die entstandene Liquiditätslücke zu überbrücken. Ab April übernahm ein anderer Factoringanbieter die Forderungen. Angenehm war der Ausfall von Vantargis dennoch nicht. "Wir mussten so schnell wie möglich alle Kunden informieren und unter Zeitdruck einen neuen Factoringpartner finden", erzählt der Geschäftsführer des Metallverarbeiters. "Man sollte sich seinen Partner schon genau anschauen, um böse Überraschungen zu vermeiden", betont Volker Ernst, Vorsitzender des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand, "dabei spielt es auch eine Rolle, wie gesund das Unternehmen ist und wie es sich refinanziert." Hinter einigen Factoringanbietern stehen Kreditinstitute, die die Refinanzierung garantieren. Auf jeden Fall sollte die Gesellschaft bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gelistet sein. Als Qualitätsmerkmal gilt darüber hinaus die Mitgliedschaft in einem der beiden großen deutschen Branchenverbände, dem Deutschen Factoring-Verband und dem Bundesverband Factoring für den Mittelstand. Bei der Suche nach dem richtigen Factoringpartner führen standardisierte Instrumente oder Vergleichsportale im Internet kaum weiter. Nützlich sind da eher schon Empfehlungen von Branchenkollegen oder von der Hausbank. Auch Factoringbroker und spezialisierte Berater können helfen - sofern sie wirklich unabhängig sind. Ein guter Berater klärt schon vorab die Ziele und Bedürfnisse des Kunden und prüft die Aktualität der Buchhaltung und die Qualität der Debitoren. Im nächsten Schritt identifiziert er dann eine Reihe von Factoringfirmen, die der Größe und dem Branchenschwerpunkt des Kunden am besten entsprechen und fordert von ihnen maßgeschneiderte Angebote an. Erst dann lässt sich errechnen, ob Factoring wirklich das richtige Finanzierungsinstrument ist oder ob es über die Kontokorrentlinie nicht doch günstiger ist. Zunehmend bemühen sich auch größere Factorer um kleinere Kunden. Diese sind dort jedoch nicht immer am besten aufgehoben. "Mittelständler, die viel Beratung brauchen oder mit Hilfe des Factorers erst einmal ihr Debitorenmanagement auf Vordermann bringen müssen, können mit den standardisierten Angeboten der großen Factoring-gesellschaften oft nicht viel anfangen", sagt Ernst. Inhabergeführte Firmen fühlen sich bei inhabergeführten Factoringunternehmen manchmal besser betreut. Für einen reibungslosen Geschäftsverkehr entscheiden aber auch technische Fragen: Welche IT-Systeme stehen für den Datenaustausch zur Verfügung, welche Web-Anbindung besteht, in welchem Rhythmus begleicht die Factoringgesellschaft die Forderungen? Auch die Vertragsgestaltung kann ein Knackpunkt sein. Wie flexibel ist das Angebot? Ist es beispielsweise möglich, bestimmte Kunden oder einzelne Forderungen auszunehmen? Möglichst vermeiden sollte man Mindestvolumina oder auch eine Preisgestaltung anhand starrer Umsatzschwellen. In Zeiten sinkender Umsätze werden solche Klauseln schnell zu einer hohen Belastung. Neukunden sollten außerdem darauf achten, dass die Factoringfirma für Forderungsausfälle auch wirklich uneingeschränkt haftet. Ernst: "Schwer verständliche Verträge mit 20 Seiten Kleingedrucktem sollten grundsätzlich misstrauisch machen."

FTD, 25.04.20122 | drucken | Ganzer Artikel hier

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