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Rating bei der Kreditvergabe - Basel III braucht Bonität

Banken werden im Zuge der Einführung von "Basel III" im kommenden Jahr gezwungen, für ihre Geschäfte mehr Eigenkapital zu hinterlegen. Das neue Regelwerk ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise, in der Banken Kredit- und Marktrisiken nicht ausreichend abgedeckt hatten. Banken müssen ihre Kredite deshalb noch wohlüberlegter nach Abwägung aller Risiken durchführen. Einfluss auf die Entscheidung der Bank hat vor allem die Bonitätseinstufung, das so genannte Rating. Eine gute Rating-Note kann die Kreditkonditionen wiederum günstig beeinflussen. Die Bonitätseinstufung durch die Bank ist für viele Unternehmer immer noch eine "Black Box". Es gibt jedoch einige grundlegende Themen, die bei allen Banken gleichermaßen positiv oder negativ ins Gewicht fallen und die ein Unternehmer relativ einfach im Vorfeld selbst beeinflussen kann. Der Hürther Finanzierungsexperte und Geschäftsführer der Spezialfinanzierungsgesellschaft AKIS – GmbH, Guido Mumm, nennt die wichtigsten Kriterien für erfolgreiche Kreditgespräche mit der Bank:

Die Kontoführung: Positiv werden von der Bank eine variable Kontoinanspruchnahme und dazu passende Kontoumsätze gewertet. Negative Auswirkungen haben eine steife Inanspruchnahme des Kontokorrentkredites nahe am eingeräumten Limit, geringe Kontoumsätze und insbesondere nicht mit dem jeweiligen Firmenkundenbetreuer abgesprochene Überziehungen.

Alternative Finanzierungsformen: Fokussieren Sie nicht nur auf den klassischen Bankkredit, sondern erkundigen Sie sich auch nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. wie Leasing oder Mischfinanzierungen.

Das Liquiditätsmanagement: Positiv bewertet werden alle Aktivitäten des Unternehmers, auch selbst für eine ausreichende Liquidität zu sorgen. Hierzu gehören kurze Zahlungsziele bei den Kunden, insgesamt niedrige Außenstände sowie ein funktionierendes Mahnwesen. Aber auch die Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten bringt durchaus Pluspunkte.

Die Qualität der Zahlen: Banker erwarten, dass die Zahlen des Unternehmens zeitnah und in aussagekräftiger Form vorgelegt werden. Auch sollten die Informationen in sich schlüssig sein und zuvor gegenüber der Bank gemachte „Versprechen“ auch tatsächlich spiegeln. Denn nur derjenige Betrieb sammelt Pluspunkte, der über ein gutes internes Rechnungswesen verfügt.

Die Kundenzufriedenheit: Banker wissen, was es heißt zu verkaufen. Ein Geschäftsmodell ist am Ende nur so viel wert, wie es auch zufriedene Kunden gibt. Hohe Reklamationsquoten oder ein viel zu hoher Ausschuss in der Produktion werden bei der Bonitätseinschätzung des Unternehmens durch die Bank immer mit deutlichen Abschlägen versehen.

Die Auskünfte Dritter: Für Banker ist es ganz wichtig zu wissen, wie andere Marktteilnehmer den zu beurteilenden Betrieb und die dahinterstehende Unternehmerpersönlichkeit einschätzen. Solche Kreditauskünfte erhält die Bank beispielsweise über die Schufa oder größere Auskunfteien wie Bürgel und Creditreform. Als Unternehmer sollte man daher stets genau darauf achten, dass diese Auskünfte aktuell und möglichst gut sind. Vor allem dürfen sie keine negativen Hinweise enthalten.

Der Branchenfokus: Einige Wirtschaftszweige gelten bei Banken als so genannte „Risikobranchen“. Gehört ein Unternehmen solch einer Branche an, hat man bei der Beurteilung durch die Bank zunächst einen schwereren Stand. Jetzt muss der Unternehmer erläutern, warum gerade sein Betrieb mit seinen speziellen Produkten oder Dienstleistungen viel besser ist als der Wettbewerb. Dann kann der Banker positiv vermerken, dass dieser Betrieb durchaus in der Lage ist, sich einem allgemein negativen Branchentrend nachhaltig zu entziehen.

Die Nachfolge: Banker bewerten es ­äußerst positiv, wenn Unternehmer auch über eine langfristige Strategie nachdenken. Hierzu gehört auch das Thema Betriebsnachfolge. Ist der Unternehmer bereits im Rentenalter und kann noch keinen Nachfolger benennen, gibt es bankenseits bei der Bonitätseinstufung erhebliche Minuspunkte. Eine solche Einschätzung kann man verhindern, indem der Prozess der Nachfolgeregelung rechtzeitig eingeleitet und die Bank hierüber kontinuierlich informiert wird.

Generell gilt: Die Chance auf ein gutes Rating ist umso höher, je besser und umfangreicher die Informationen sind. Deshalb sollte man bereits im Vorfeld seine Hausbank unbedingt auf die Ratingnote ansprechen und nach Details, Erläuterungen und Verbesserungsmöglichkeiten fragen.

Mumm Consult, 05.07.2012 | drucken | Ganzer Artikel hier

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