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Mit Forderungen richtig umgehen

Gemäß der jüngsten Frühjahrs-Umfrage 2012 der Inkassowirtschaft durch den BDIU e. V. (Bundesverband Deutscher Inkasso Unternehmer) hat jeder zehnte Erwachsene nachhaltige Zahlungsprobleme. Und Überschuldung ist gar die zentrale Ursache dafür, dass die Zahlungsmoral gegenüber Gläubigern aller Branchen immer schlechter wird. Wer ein Unternehmen betreibt, tut das im Grunde genommen jeden Tag mit einer gehörigen Portion Vertrauen in die Geschäftspartner und Kunden. Doch schnell weicht allzu oft das Vertrauen einer gewissen Skepsis, die sich häufig leider auch als richtig erweist. Aus dem Kunden wurde ein Schuldner, der sich vor der Zahlung offener Rechnungen mit Tricks und Kniffen drückt, die nicht selten einen Unternehmer sprach- und hilflos machen.

„Damit es gar nicht erst so weit kommt, kann man schon im Vorfeld „Sicherungen“ einbauen, um das Risiko, auf offenen Rechnungen sitzen zu bleiben, zu minimieren“, so Bernd Drumann, Geschäftsführer der Bremer Inkasso GmbH. „An dem Satz „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ ist viel dran. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es zwar nicht, aber wenn man ein paar Dinge beherzigt, kann der Forderungseinzug durchaus erfolgreicher sein“, fährt er fort. Um besagte eventuelle „Gefahr“ zu erkennen, nutzen manche Unternehmer nach der ersten Kontaktaufnahme mit potentiellen Kunden die Dienste von Wirtschaftsauskunfteien, um mehr über den wirtschaftlichen Hintergrund des neuen Auftraggebers zu erfahren.

„Das ist aber nur eine Möglichkeit der Risikominimierung“, so Drumann, „denn man selbst kann auch Einiges tun:

1. Unbedingte schriftliche Dokumentation aller Schritte von der Angebotserstellung über die Auftragserteilung/Bestellung und deren Bestätigung.

2. Nach der Lieferung bzw. Leistungserbringung sofort die Rechnung stellen

3. Versenden Sie die Rechnung vorab per Fax. Dann verschicken Sie sie zusätzlich per Post.

4. Ein vom Kunden unterzeichneter Lieferschein gehört ebenso zu einer vollständigen Vertragsdokumentation wie nach der Beendigung eines Auftrages die schriftliche Bestätigung durch den Auftraggeber, dass die Arbeiten zu dessen Zufriedenheit erledigt wurden.

5. Eine aktuelle Buchhaltung ist ein absolutes Muss! Ebenso: bei Rechnungsfälligkeit eines Kunden sofort handeln!

6. Setzen Sie den Kunden in Zahlungsverzug! Dieser tritt mit Zugang einer Mahnung ein. Ist der Schuldner Unternehmer, kommt er aber auf jeden Fall automatisch(lt. § 286 abs. 3 BGB) 30 Tage nach Zugang und Fälligkeit der Rechnung in Zahlungsverzug.

7. Zahlungsverzug berechtigt Sie, Mahngebühren zu verlangen. Üblich sind 5,- Euro pro Mahnung. Diese dürfen mit der zweiten Mahnung erhoben werden. Sollte der Kunde aber schon vor der ersten ausgehenden Mahnung in Verzug sein (z. B. durch Ablauf der unter Punkt 6 genannten 30-Tage-Frist) so dürfen bereits jetzt Gebühren verlangt werden.

8. Verlangen Sie Verzinsung Ihrer Forderungen ab Zahlungsverzugsbeginn. Prozent.

9. Holen Sie sich rechtzeitig fachkundige Helfer an die Seite. Dazu ist jeder Gläubiger berechtigt. Ein Rechtsanwaltsbüro kann beauftragt werden aber auch ein Inkassounternehmen.

10. Kommt es trotz aller Bemühungen und Vorsicht doch dazu, dass Forderungen auf dem Weg des gerichtlichen Mahn- und Vollstreckungsverfahrens eingezogen werden müssen, sollte man sich spätestens jetzt an einen Fachmann wenden.

PM Bremer Inkasso GmbH, 22.06.2012 | drucken | Ganze PM hier
Forderungsausfälle vermeiden (Handelsblatt, 27.06.2012)

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