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Mit der Sonne Steuern sparen

Hausbesitzer können ihre Solaranlage auf dem Dach jetzt einfacher steuerlich abschreiben. Die starre Grenze für den Eigenverbrauch ist aufgehoben. Ein Haus im Grünen sollte es sein. Direkt am Stadtpark hat Familie Kaufmann gebaut, mitten in der Natur. Die hat sie sich auch zunutze gemacht: Auf das neu gedeckte Dach installierten die Kaufmanns eine Solaranlage. Die hohen Investitionskosten hat die Familie in Kauf genommen - und die Rechnung dafür anschließend ans Finanzamt geschickt. Denn der Bau einer Fotovoltaikanlage kann bei der Steuer geltend gemacht werden. Während die Bundesregierung die Fördersätze für Solarstrom gerade drastisch gesenkt hat, hat die Oberfinanzdirektion Niedersachsen (OFD) die Hürden für Privatleute nun sogar gesenkt, die ihre Solarzellen auf dem Dach steuerlich abschreiben wollen. Die OFD hat eine Verfügung herausgegeben, nach der es unschädlich ist, wenn der auf dem eigenen Dach produzierte Strom zu mehr als zehn Prozent privat genutzt wird (Az.: S 2183b - 42 - St 226).

"Eine erhebliche Hürde bei der steuerlichen Förderung von Fotovoltaik ist damit beseitigt", sagt Markus Deutsch, Anwalt beim Deutschen Steuerberaterverband (DStV). Trotz aller Bemühungen der Bundesregierung, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen, schrauben sich Privatleute eifrig weiter Solarzellen aufs Dach. Im ersten Halbjahr 2012 installierten Investoren nach Angaben der Bundesnetzagentur Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 4300 Megawatt auf Dächer und Felder und damit anderthalbmal mehr als im Vorjahreszeitraum. Steuerlich relevant ist die Investition, weil Privatleute unversehens zu Unternehmern werden, wenn sie im Eigenheim Solarstrom herstellen. Da sie in der Regel sehr viel mehr Strom produzieren, als sie selbst verbrauchen können, speisen sie den großen Rest in das Netz ihrer regionalen Stadtwerke ein. Die sind gesetzlich verpflichtet, den Strom abzunehmen. Dadurch wird sichergestellt, dass niemand auf dem produzierten Strom sitzen bleibt. In dem Moment aber, in dem die Privatleute den Strom ins öffentliche Netz leiten, gelten sie als gewerbliche Stromproduzenten. Und das hat einen entscheidenden Vorteil: Unternehmen können ihre Anschaffungskosten von der Steuer abschreiben. Inhaber von Solarzellen können deshalb schon vor dem Kauf der Technik bis zu 40 Prozent steuermindernd abziehen, wenn die Investition im Laufe der folgenden drei Jahre erfolgt.

Zusätzlich gibt es eine Sonderabschreibung von bis zu 20 Prozent, die auf vier Jahre verteilt werden kann. Das Problem dabei war bislang, dass die Investition nur dann abgeschrieben werden darf, wenn sie wirklich gewerblichen Zwecken dient - und zu weniger als zehn Prozent privat genutzt wird. Speziell für die Fotovoltaikanlagen zurrte das Bundesfinanzministerium die Zehn-Prozent-Grenze 2009 fest. Für steuerlichen Wirbel sorgen ähnliche Grenzen beispielsweise auch immer wieder bei der Nutzung von Dienstwagen. Hier muss der Fahrer durch ein Fahrtenbuch dezidiert darlegen, wann er das Auto beruflich und wann zu eigenen Zwecken gefahren hat. Für Hausbesitzer hat die OFD die starre Grenze nun wieder aufgehoben. Sie hat verfügt, dass der Investitionsabzugsbetrag auch geltend gemacht werden kann, wenn der produzierte Strom zu einem größeren Anteil als zehn Prozent in den eigenen Haushalt fließt. Denn anders als das Dienstauto ist die Fotovoltaikanlage nur Mittel zum Zweck, sagt ein OFD-Sprecher. Versteuert wird nicht die Anlage selbst, sondern der von ihr produzierte Strom - und da sei es ganz egal, wer ihn später konkret nutzt. Bevor eine Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen wird, lässt sich ohnehin kaum festlegen, wie viel Prozent des produzierten Stroms genau selbst verbraucht werden sollen. Die feste Grenze zur Selbstentnahme sorgte in der Vergangenheit deshalb oft für Verunsicherung bei Hausbesitzern.

"Die OFD Niedersachsen hat jetzt Rechtssicherheit geschaffen" sagt DStV-Jurist Deutsch. "Offensichtlich war das doch ein großes Hemmnis für viele, sonst wäre die Finanzdirektion nicht tätig geworden." Auch Roland Wilm, Steuerberater aus Unterfranken, findet die OFD-Anordnung nur konsequent. Es würde schließlich auch niemand auf die Idee kommen, dass der Inhaber einer Papierfabrik kein Unternehmer mehr ist, weil er mehr als zehn Prozent seiner Produkte für private Zwecke entnimmt, argumentiert er. Eine neue, feste Obergrenze für die private Nutzung des Stroms hat die OFD nicht festgesetzt. Eine betriebliche Nutzung der Solarzellen, sagt die Behörde, muss aber weiterhin erkennbar sein. Steuerberater Wilm geht davon aus, dass nun zumindest die Hälfte des Stroms in das öffentliche Netz eingespeist werden muss. Denn sonst, sagt er, wäre der Privathaushalt dann wirklich kein gewerblicher Solarbetrieb mehr.

Impulse, 26.09.2012 | drucken | Ganzer Artikel hier

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