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Kommunen wollen ihren Fuhrpark elektrifizieren
In den Kommunen wächst das Interesse, Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu leasen. Eine Gesetzesänderung wird E-Fahrzeuge auch als Dienstwagen künftig attraktiver machen. E-Mobilität: Das Schlagwort geistert immer wieder durch die Nachrichten. Doch während die meisten Vorzeigeprojekte für elektrische Mobilität erst langsam in Fahrt kommen, bringen überraschenderweise die Kommunen nun Bewegung in das Thema – und bieten damit der Leasingbranche ein neues Geschäftsfeld. So erreichen den Bundesverband eMobilität (BEM) zunehmend Anfragen von Kommunen, die Elektrofahrzeuge leasen wollen. "Die Zahl der Anfragen ist so hoch wie nie", sagt Kurt Sigl, Präsident des BEM. Täglich rechnen seine Mitarbeiter mindestens zwei klammen Kommunen Einsparpotenziale vor. "Dabei gehen die Einsparungen weit über die Kraftstoffpreise hinaus", sagt Sigl. "Denn der Betrieb eines Elektrofahrzeugs ist nahezu wartungsfrei, braucht weder Zündkerzen noch Öl." Gedeckelt werden die Erwartungen aber noch durch behördliche Vorgaben: Die Regeln des Beschaffungswesens erweisen sich als Innovationsbremse. Weil der Anschaffungspreis gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu hoch ist, wird E-Mobilität in Kommunen aktuell häufig durch Kämmerer und Rechnungsprüfer gestoppt. "Daher müssen mögliche Einsparungen mit einer Berechnung der Total Cost of Ownership bis ins Detail nachgewiesen werden", so Sigl. Mit TCO sind die gesamten Betriebskosten gemeint. Trotzdem zahlt sich das Leasing von Elektrofahrzeugen für Städte und Gemeinden aus, meint auch Guido Mumm, Geschäftsführer der auf Finanzierungsmodelle für Kommunen spezialisierten AKIS GmbH in Hürth, einer exklusiven Partnerin der Sparkassenleasinggesellschaft Deutsche Leasing (DL). „Zum einen entfallen beim Leasing die hohen Anschaffungskosten, die auch bei der Beschaffung von herkömmlichen Fahrzeugen zu Buche schlagen und zum anderen ermöglicht eine Leasingfinanzierung den Kommunen, eine wichtige Vorreiterrolle bei der Etablierung von Elektrofahrzeugen einzunehmen.“ Gerade in Hinblick auf den wirtschaftlichen Betrieb von Ladestationen und der Notwendigkeit, dass E-Autos als Energiespeicher genutzt werden können, ist es enorm wichtig, dass mehr Elektrofahrzeuge auf die Straße kommen.“ Hier sollten die Städte und Gemeinden mit gutem Beispiel vorangehen, so Mumm weiter. Doch auch wenn die Nachfrage seitens der Städte und Gemeinden nach Elektrofahrzeugen steigt: Auf die Überholspur wechselt die neue Art der Fortbewegung deswegen noch nicht. Das freilich könnte sich schon bald ändern. Denn durch eine zusätzliche Gesetzesänderung könnte die Elektromobilität in Deutschland endlich den Durchbruch schaffen. Nach Informationen des Handelsblatts wird die Regierung die Batterie aus der Ein-Prozent-Versteuerung für elektrische Dienstfahrzeuge herausnehmen. Experten erwarten, dass diese Regelung noch in diesem Herbst passieren wird. Zukünftig muss dann nur noch das Chassis versteuert werden. Für den Einsatz von Elektrofahrzeugen in betrieblichen Flotten bedeutet das, dass Elektrofahrzeuge so günstig werden wie nie. In Deutschland sind etwa 240.000 Dienstwagen als Leasingfahrzeuge unterwegs. Bisher hatte der steuerliche Nachteil gegenüber "Verbrennern" den Einsatz von E-Autos in Flotten gebremst. 2012 wurden gerade einmal 819 E-Fahrzeuge auf Unternehmen zugelassen. Muss der Nutzer die Ein-Prozent Besteuerung für den Akku nicht bezahlen, kann sich die Leasingbranche auf eine höhere Nachfrage für E-Fahrzeuge einstellen. "Besonders sogenannte Plug-in-Hybriden wie der Opel Ampera und der Toyota Prius werden als Dienstwagen gefragt sein, weil sie kein Problem mit der Reichweite haben", prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research. Dudenhöffer rechnet damit, dass pro Jahr etwa 2.000 bis 3.000 Dienstwagennutzer auf dieses Angebot zugreifen würden. "Wenn sie schlau sind, machen Leasingfirmen attraktive Angebote für elektrische Dienstwagen", rät Dudenhöffer. Rückenwind bekommt das Elektromobil aber auch von den aktuell stark gestiegenen Kraftstoffkosten. Im Jahr 2008, als die Kraftstoffpreise zuletzt ein neues Rekordhoch erreicht hatten – im Juli 2008 kostete Super 1,52 Euro je Liter, Diesel 1,49 Euro –, schien die Zeit für den Einstieg in die E-Mobilität günstig. "Unternehmen waren zunehmend bereit, E-Mobilität in ihre Flotte zu integrieren", sagt Thomas Reiter, Direktor Unternehmensentwicklung & Marketing bei der ALD Automotive in Hamburg. "Die Ausgaben für Kraftstoff betragen je nach Fahrleistung bis zu einem Drittel der Fuhrparkkosten." Die Finanzmarktkrise bremste jedoch die E-Mobilität aus: Ihr Ausbau stockte, bevor sie überhaupt ins Rollen kam, auch weil die Kraftstoffpreise wieder sanken. Inzwischen sind Alternativen wie E-Fahrzeuge wieder in der Diskussion. In diesem Monat kratzte der Preis für Super vielerorts an der Marke von 1,70 Euro. Ein Innovationshindernis ist jedoch die eingeschränkte Verfügbarkeit. "Im Moment sind noch zu wenige Fahrzeuge am Markt", sagt Kurt Sigl. Vor allem die deutschen Hersteller kommen mit der Produktion von Elektroautos nicht in die Gänge. Das ist vor allem in den Modellregionen teilweise problematisch. Während in Baden-Württemberg und Berlin bereits grünes Licht für den Einkauf von ausländischen Fabrikaten gegeben wurde, schalten Länder wie Bayern und Niedersachsen auf stur und warten auf die deutschen Hersteller. Die Folge ist Stillstand. Bis die ersten Musterprojekte anlaufen, könnte es Oktober 2013 werden. Der Grund: Die Förderbedingungen sehen lediglich vor, dass die Regionen innerhalb der ersten 18 Monate die entsprechenden Einkaufsnachweise für die beschafften Elektrofahrzeuge einreichen müssen. "In einem Renault Twizy stecken beispielsweise bis zu 60 Prozent deutscher Wertschöpfung, an der Automobilzulieferer wie Continental und Schaeffler beteiligt sind. Daher haben wir ausdrücklich empfohlen, auch ausländische Elektrofahrzeuge in die Schaufensterprojekte zu integrieren, um schneller starten zu können", sagt Kurt Sigl. Zumal wenn die Entwicklung auf der Straße schneller sein sollte und die Vorzeigeprojekte von der Realität eingeholt werden.

u. a. aus Die Zeit, 05.11.2012